Technik

November 25th, 2007

Die moderne Technik, man denke hier an das Paradebeispiel des Versuchsaufbaus, lehrt uns, die Situation vorzubereiten, damit das gewünschte Ergebnis verwirklicht wird. Und darüber vergessen die Menschen, dass es im alltäglichen Leben, insbesondere im Umgang mit Menschen, nicht möglich ist, die Situation vorzubereiten. Vorbereiten kann man hier nur sich selbst, damit sich die Situation zufriedenstellend entwickelt.

Gedanken zu einem Zitat

November 25th, 2007

Von einem Autoren wird berichtet, er habe auf den Vorwurf, daß seine Lehre seiner Lebensart widerspreche, daß er Wasser predige, aber Wein trinke, so geantwortet: Ich bin ein Wegweiser; von diesem aber kann nicht verlangt werden, daß er den gewiesenen Weg auch geht.

Armer Mensch, ob ihm wohl bewusst war, wie sehr er sein eigenes Wesen mit dieser Aussage reduziert hat: “Ich bin ein Wegweiser”, also ein Stück Holz, vielleicht Pappe, dass stumm herumsteht und die Botschaft verbreitet, die ein anderer darauf geschrieben hat? Und das soll der Mensch sein, oder zumindest der Urherber des Zitats?
Das ist definitiv falsch, der Mensch ist kein Wegweiser. Obwohl er die Möglichkeit hat, sich als Wegweiser zu sehen, sich darauf zu reduzieren.
Vielleicht wird man dem Zitierten gerechter, wenn man das Zitat als Ausdruck seiner Bescheidenheit auffaßt. Vielleicht meint er, sein Wissen komme nicht von ihm, sondern er spreche nur aus, wie es (objektiv ) ist.

Es macht keinen Unterschied, seine Ansicht ist in beiden Fällen unrealistisch, sie verkennt die Realität des Menschen. In Anbetracht der Tatsache, dass es unzählige verschiedene Möglichkeiten gibt, den gleichen Sachenverhalt auszudrücken, wird die “bescheidene Interpretation” unrealistisch. (Man kann den Sachverhalt z.B. von einem höheren, d.h. weniger ins Detail gehenden Standpunkt betrachten oder mehr auf das Problem schauen.)
Was ein Mensch sagt, enthält sicher Objektivität. Sonst könnten wir überhaupt nicht miteinander reden, Anweisungen geben, den anderen verstehen usw.
Aber was ein Mensch sagt, ist immer ein Ausdruck von dem, was er ist. Vielleicht trägt alles, was ein Mensch ist, zu dem Gesagten bei. Zumindest das, was er in dem Moment ist. Der aktualisierte Teil seiner Möglichkeiten sozusagen.

Entweder ist also die Aussage falsch, dass der Mensch nur ein Wegweiser ist, wenn er so spricht (was die “Lehre” des Autors konkret ist, ist nicht so wichtig: vielleicht eine ethische Anweisung, ein moralischer Rüffel, eine philosophische Analyse).
Oder er hat nur einen kleinen Teil von sich sprechen lassen. Er hat sich nicht nur in der Perspektive auf einen Wegweiser reduziert, sondern auch in der Wirklichkeit. Er hat mit diesen Worten nur einen kleinen Teil seiner Möglichkeiten in die Aktualität gesetzt.
Dann ist er vielleicht ehrlich, aber nicht aufrichtig. Dann fehlt das Bemühen, eine bestmögliche Philosophie zu machen. Eine Philosophie, die so weit und tief wie das Wesen des Menschen ist. Die alle Möglichkeiten mit einbezieht.

Daher entwirft der Weise auch kein System: Weil er die Aussagen aus der Fülle und Tiefe seiner Existenz, seiner Lebenserfahrung (5 Milliarden Nervenzellen + jahrelange Verschaltungstätigkeit inkl. jede Menge Feintuning) schöpft, anstatt sie aus einem System abzuleiten, das womöglich auch noch in ein Bücherregal passt.

Eine Bedingung hierfür ist natürlich Vertrauen in die positive Wirkung des Lebens, der Erfahrung. Und die Bedingung hierfür ist (einen hinreichend kritischen Verstand vorausgesetzt) ein positiv wirkendes Leben, ein Aufnehmen von Erfahrungen, ein beständiges Lernen, wofür ein gesunder Körper und ein guter Lebensrythmus sicherlich zuträglich sind.  Das wussten z.B die Stoiker sehr gut.

Also war es anscheinend nur eine faule Ausrede. Wie so oft.

Gedanken zu Marc Aurel

November 25th, 2007

Die Welt ist im Fluss. Sie fließt durch den Menschen hindurch. Der Mensch hat verschiedene Möglichkeiten, mit diesem Fluss umzugehen. Er kann ihm Gegenstände entgegenstellen, Verwirbelungen erzeugen, konstante Strukturen aufbauen. Aber der Fluss geht weiter, das Leben fließt weiter und jeder Wirbel lößt sich wieder auf, jede konstante Struktur vergeht. (manche Strukturen (vielleicht die allgemeinsten) bestehen sehr lange). Diese konstanten Strukturen werden zu Problemen, weil ihr Wesen darin besteht, konstant zu sein, sie es aber nicht sein können.
Man kann sich aber auch treiben lassen (das ist nicht trivial zu verstehen, als Passivität, rumhängen). Mit dem Fluss fließen. Das Leben durch sich hindurch fließen lassen, ohne es ständig aufzuwirbeln. Dann entstehen die Probleme nicht. Aber dieser Zustand ist auch nicht konstant und die Vorstellung davon ist selbst ein Wirbel. Sowie die Vorstellung, diesen Zustand erreicht zu haben.
Man fließt beständig durch Wirbel hindurch. Aber man kann sich und das Leben beruhigt weiterfließen lassen. Man muss nicht in jedem Wirbel steckenbleiben und sich darin ständig im Kreis drehen.
Das ist das Beruhigende am Leben. Vielleich ist das auch “Glück”, der gute Fluss, wie ihn die Stoa nennt.

Gedanke zu Marx

November 25th, 2007

In dem Moment, in dem man die Welt ändern will, hat man schon aufgehört, sie so zu sehen, wie sie ist.

Spirituelle Erfahrung durch Drogenkonsum

August 21st, 2007

Die Absicht, sprituelle Erfahrungen mit der Einnahme von bewusstseinverändernden Drogen hervorzurufen, lässt sich vielleicht vergleichen mit dem Versuch, eine Gruppe von Mitwissern mit der Zahlung von Geld zum Schweigen zu bringen.

In der spirituellen Erfahrung wird das individuelle Bewusstsein zum Schweigen gebracht, um das universelle Bewusstsein aufscheinen zu lassen. Dieses kann man Gott oder kosmische Energie, Allnatur oder wie immer man möchte nennen. Entsprechend kann man das individuelle Bewusstsein auch als Erbsünde, Regulationsmechanismus des Gehirns oder Beschränktheit der endlichen Natur bezeichnen.

In jedem Fall ist es fraglich, ob sich dieses durch einen einmaligen, evtl. drastischen Eingriff dauerhaft beruhigen lässt. Es ist, wie die Bande von Mitwissern, ständig anwesend, in Bewegung, flexibel, lässt sich gerne verwöhnen. Insbesondere “sprituelle Erfahrungen” sind ein angenehmes Futter zum dick und faul werden.

Vielleicht ist ja aus diesem Grund jede spirituelle Erfahrung, die man macht, ein Schritt weiter weg vom Ursprung spiritueller Erfahrung, dem Frieden in der Gewissheit, nichts Höherem zu bedürfen, da die Realität in diesem Moment alles beinhaltet. Zumindest alles, was man Realität werden lassen kann und damit alles, was sich sinnvoll erstreben lässt.

Aber genau wie derjenige, der etwas anstellt, schon damals nicht zufrieden war mit dem, was er hatte, wird er sich auch nach der Tat nicht mit einer einmaligen Zahlung abspeisen lassen. Die Mitwisserschaft gibt ihm nur neue Mittel in die Hand und die Katze beißt sich in den Schwanz. Immer wieder, bis sie stirbt. Oder sich legt sich gleich hin und schaut dem Leben zu. Aber wann, wenn nicht jetzt?

Katzen scheinen ja in dieser Hinsicht vielen Menschen etwas Voraus zu haben.

ohne Worte

Juli 18th, 2007

“Wittgenstein, for example, was tormented by the fact that a person does not talk about having a pain in his shoe even though he may have had a pain in his foot and his foot is in his shoe. Carroll, had he thought of it, probably would have written of shoes so full of pain that they had to be hospitalized.” (John Allan Paulos, “I Think, therefor i laugh”, S. 9)

Gedanken über Semantik

Mai 1st, 2007

Die semantische Theorie Thomas von Aquins (die er den Texten Aristoteles’ entnommen hat) besagt, dass man nur darüber reden kann, wovon man eine Vorstellung hat. Gegenstand - Vorstellung - Wort. Ich kann mich auf den Gegenstand nur über eine Vorstellung von ihm beziehen.

Diese Aussage muss man auf die richtige Weise verstehen (womit man Thomas nicht gerecht wird): ich kann vielleicht nur über einen Gegenstand reden, wenn ich eine Vorstellung habe. Aber diese Vorstellung, muss nicht von diesem Gegenstand sein, d.h. ihm inhaltlich entsprechen. Ich kann auch eine Vorstellung von seiner Form haben, von einer Eigenschaft, einer Weise der Beschreibung. Z.B. kann ich sehr wohl über (den Gegenstand) Willy Brandt reden, ohne ihn vor mir zu sehen, alleine indem ich sage “der im Jahre 1960 regierende Bürgermeister von Berlin”. Ich mache mir dabei sehr wohl eine Vorstellung, jedoch nicht von dem Gegenstand selbst in seinem Inhalt, sondern eher von einer Beschreibung desselben.
Entspricht dies der semantischen Theorie Ockhams, bei der sich Worte direkt auf den Gegenstand beziehen? Oder eher der semantischen Theorie Freges, die zwischen Gegenstand und Sinn eines Ausdrucks unterscheidet?

Fordert man jedoch, dass sich die Worte sicher auf den Gegenstand beziehen, über den man auch korrekt reden will, so landet man vielleicht wieder leicht bei Thomas von Aquin. Denn braucht man hierzu nicht eine inhaltlich entsprechende Vorstellung des Gegenstandes? Es scheint nicht so zu sein. Wie kommt es dann, dass Wissenschaft über die Welt redet?

Mathematik

April 19th, 2007

Es ist äußerst faszinierend mit welcher Klarheit und Kreativität in der Mathematik Wissenschaft betrieben wird. Die Schulung in rationaler Methode und Schärfe ist sicherlich einzigartig für diesen Studiengang. Leider ist es zu schade, dass die Mathematiker dieses gewonnene Potential in einem zutiefst uninteressanten und langweiligen Fach anwenden. Man sollte lieber, nachdem man ein Studium der Mathematik abgeschlossen hat, mit der gewonnen logischen Schärfe und Kreativität des Verstandes einen interessanten Themenbereich bearbeiten.

Cogito ergo sum?

April 9th, 2007

Descartes’ Gedankengang lässt sich vielleich in kurzer Form so darstellen: der Philosoph macht, wenn er seine Erkenntnis von den sinnlichen Dingen auf sich selbst richtet, die Erfahrung, dass er denkt. Insbesondere erfährt er hier seinen Zweifel, der ihn veranlasste, an der Wahrheit der sinnlichen Erkenntnis zu zweifeln. Dieses Zweifeln führt nach Descartes soweit, dass sogar jeder Wahrheitsanspruch angezweifelt werden muss, sogar die Behauptung 1=1. Einen Sachverhalt kann der Zweifel jedoch nicht berühren, nämlich seine eigene Existenz. An der Tatsache, dass ein Zweifel existiert, kann es keinen Zweifel geben. Erkenntnisobjekt und Erkenntnisvorgang fallen hier zusammen. Soweit, so gut.

Descartes’ Analyse geht jedoch noch einen Schritt weiter. Für Descartes ist es in Ansehung des Zweifels nicht nur evident, dass es den Zweifel selbst gibt, sondern auch, dass es ein “Ich” gibt, das zweifelt. Ich zweifele, also bin ich. Dubito ergo sum. Inklusive der übrigen Erfahrungen des Denkens im Selbstbewusstsein, wie abwägen, schließen, usw. ergibt sich die Erkenntnis des cogito ergo sum. Ich habe ein Bewusstsein von einem Bewusstseinsinhalt in einem Bewusstseinakt.

Aber hat Descartes hier wirklich die vorgeblich benutzte Methode des Zweifelens konsequent eingehalten?
Eigentlich darf der Zweifelnde nicht seine sinnliche Erkenntnis in Frage stellen, denn die Unterscheidung in Sinnes- und Verstandeserkenntnis entspringt ja einer philosophischen Erkenntnistheorie, deren Ergebnisse bezweifelt werden müssen. Der Philosoph sollte daher vielleicht eher von alltäglicher Erkenntnis reden. Die im Alltag gemachten Überzeugungen müssen bezweifelt werden, sollte der Zweifel Methode haben. So gehörte wohl die Unterscheidung in Sinnes- und Verstandeserkenntis zum Alltag Descartes’ als Philosophen.

Ebenso gehört zum Alltag des in der abendländischen Kultur beheimateten Menschen die Vorstellung vom ego cogito. Ich denke, ich rede, ich esse, ich schlafe, ich zweifele, ich bin. Der phänomenologische Befund enthält dieses Ergebnis jedoch noch nicht. Erfahren wird der Akt des Zweifelns. Von diesem Befund aus macht der abendländische Philosoph aufgrund seiner Alltagsüberzeugung die Überzeugung “Ich zweifele”. Wobei ihm dieses “Ich” im höchsten Maße unbekannt ist. Er weiß überhaupt nicht, was es ist, dieses “Ich”. Das einzige, was er weiß, ist, dass es eben zweifelt, denkt, abwägt, urteilt, schließt usw. Daher macht er die Befunde einfach zu seinem Wesen und sagt, dass “Ich” sei eben das, was zweifelt, denkt, abwägt, urteilt, schließt usw. Diese Tätigkeiten werden unter dem Begriff des “Geistigen” zusammengefasst und das “Ich” ist dann das, was diese “geistigen” Tätigkeiten ausübt, also “Geist”. Jetzt noch die philosophische Überzeugung der Substanzmetaphysik und voìla, geboren ist die geistige Substanz, res cogitans.

Mindestens zweimal wurde hierbei die Methode des Zweifels umgangen. Zum Ersten bei der unangezweifelten Übernahme der Alltagserfahrung des “Ichs” als Ausgangspunkt der Vorgänge des Bewusstsein. Zum Zweiten bei der Übernahme der Substanzialität des Ichs als ontologisches Fundament dieser Alltagsüberzeugung.

Der Schluss erinnert an den platonischen. Weil es Wahres gibt, gibt es die Wahrheit als Ausgangspunkt, sozusagen als Quelle, aus der das Wahre ausfließt. Ebenso gibt es das Gerechte nur aufgrund der Gerechtigkeit. Was ist aber das Wesen der Gerechtigkeit? Eben das Gerechte. Der phänomenologische Befund wird zum Wesen stilisiert in einem zweifelhaften Schluss von dem, was erfahren wird auf etwas Anderes, was hinter der Erfahrung stehen soll.

Ebenso der Schluss Descartes’: Weil es das Denken gibt, gibt es ein Denkendes. Was ist das Wesen des Denkenden? Dass es denkt.

Hier wird eigentlich nichts gesagt. Es bezeugt sich lediglich der kindliche Greifreflex. Es wird konstruiert, ein Fundament gebaut für das Haus der Wissenschaften. Für das Dasein und die Erfahrung des Menschen von sich selbst ist hier nichts gewonnen. Es scheint im Gegenteil ein angemessenes Verständnis des Menschen verbaut durch die Annahme einer geistigen Substanz.